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Met selber machen: Das einfache Wikinger-Rezept für Honigwein

Met selber machen wie die Wikinger: einfaches Grundrezept für Honigwein aus Honig, Wasser und Hefe - mit der Geschichte vom Göttertrank und Servier-Tipps.

Goldener Met im Trinkhorn, mit Honig und Kräutern angerichtet
Inhalt
  1. Der Trank der Götter und Skalden
  2. Was du wissen solltest, bevor du loslegst
  3. Zutaten
  4. Zubereitung
  5. Tipps & Variationen
  6. Ein Trank, der Geschichten macht

Wenn in den Sagas gefeiert wird, dann fließt Met. Der goldene Honigwein war für die Menschen der Wikingerzeit weit mehr als ein Getränk: Er war Festtagsluxus, Opfergabe und Stoff für Mythen. Und das Beste daran: Du kannst ihn heute noch genauso ansetzen wie vor tausend Jahren - mit nichts als Honig, Wasser, Hefe und Geduld.

In diesem Artikel bekommst du beides: die Geschichte hinter dem legendären Göttertrank und ein einfaches Grundrezept, mit dem dir dein erster eigener Met garantiert gelingt. Du brauchst keine Brauerei-Erfahrung, nur saubere Gefäße und ein paar Wochen Wartezeit.

Der Trank der Götter und Skalden

Kein anderes Getränk ist so eng mit der nordischen Mythologie verwoben wie der Met. Die berühmteste Geschichte erzählt die Prosa-Edda des isländischen Gelehrten Snorri Sturluson: Aus dem Blut des weisen Kvasir brauten zwei Zwerge den Skaldenmet - wer davon trinkt, wird zum Dichter. Der Trank fiel später dem Riesen Suttung in die Hände, der ihn tief im Berg von seiner Tochter Gunnlöd bewachen ließ. Odin selbst bohrte sich durch den Fels, verbrachte drei Nächte bei Gunnlöd und stahl den gesamten Vorrat in drei gewaltigen Schlucken, bevor er in Adlergestalt nach Asgard floh. Seither gilt Met als Ursprung aller Dichtkunst. Die ganze Geschichte des listigen Göttervaters findest du in unserem Porträt über Odin, den Allvater.

Auch jenseits der Mythen war Met etwas Besonderes. Honig war im Norden knapp und teuer - Bienen fühlen sich in Skandinavien nur bedingt wohl, und ein großer Teil des Honigs wurde importiert oder mühsam von Wildbienen gesammelt. Alltagsgetränk war deshalb das deutlich günstigere Gerstenbier. Met dagegen war den großen Anlässen vorbehalten: Hochzeiten, Blóts, Gastmähler in der Halle des Jarls. Wer seinen Gästen Met einschenkte, zeigte Wohlstand.

Archäologisch ist der Honigwein gut belegt. Rückstandsanalysen an Trinkgefäßen aus skandinavischen und norddeutschen Gräbern zeigen immer wieder Spuren von fermentierten Honiggetränken, oft gemischt mit Beeren oder Getreide. Und im berühmten Prunkgrab von Oseberg fanden sich neben zwei bestatteten Frauen auch Eimer und Schöpfkellen - Ausstattung für ein Festmahl im Jenseits, zu dem ganz sicher auch etwas zu trinken gehörte.

Was du wissen solltest, bevor du loslegst

Met entsteht durch Gärung: Hefe frisst den Zucker aus dem Honig und macht daraus Alkohol und Kohlensäure. Das bedeutet zwei Dinge. Erstens: Das Ergebnis enthält Alkohol, je nach Honigmenge und Hefe etwa 10 bis 14 Prozent - also kein Getränk für Kinder, Schwangere oder den Feierabend auf Ex. Zweitens: Hygiene ist alles. Alles, was mit deinem Met in Berührung kommt, muss gründlich gereinigt und am besten mit heißem Wasser oder einem Lebensmittel-Desinfektionsmittel behandelt werden. Fremde Keime sind der einzige Grund, warum ein Met-Ansatz wirklich misslingt.

Die gute Nachricht: Die Zutatenliste ist herrlich kurz.

Zutaten

Für etwa 5 Liter Met brauchst du:

  • 1,5 kg Blütenhonig (flüssig, gerne vom Imker - der Honig bestimmt den Geschmack)
  • 4 Liter stilles Wasser
  • 1 Päckchen Reinzucht-Weinhefe (z. B. Portwein- oder spezielle Met-Hefe)
  • 1 TL Hefenährsalz (aus dem Braubedarf, hilft der Hefe bei der Arbeit)
  • Optional: 1 Bio-Zitrone (Saft) für eine feine Säure

Dazu an Ausrüstung: ein Gärbehälter mit mindestens 6 Litern Volumen (Glasballon oder lebensmittelechter Eimer), ein Gärröhrchen mit Stopfen, ein Stück Schlauch zum Umfüllen und saubere Flaschen.

Zubereitung

  1. Alles reinigen. Gärbehälter, Löffel, Trichter und Gärröhrchen gründlich spülen und mit kochend heißem Wasser ausspülen. Dieser Schritt entscheidet über Erfolg oder Essig.
  2. Honig lösen. Erwärme etwa 2 Liter Wasser auf höchstens 40 Grad und löse den Honig darin vollständig auf. Nicht kochen - zu viel Hitze zerstört die feinen Aromen des Honigs.
  3. Auffüllen und abkühlen. Gieße die Honiglösung in den Gärbehälter und fülle mit dem restlichen kalten Wasser auf. Die Mischung sollte handwarm oder kühler sein (unter 30 Grad), sonst stirbt die Hefe.
  4. Hefe zugeben. Rühre die Weinhefe und das Hefenährsalz ein, nach Belieben auch den Zitronensaft. Einmal kräftig durchrühren, damit Sauerstoff hineinkommt - den braucht die Hefe für den Start.
  5. Gärröhrchen aufsetzen. Verschließe den Behälter mit Stopfen und Gärröhrchen (mit etwas Wasser gefüllt). Es lässt Kohlensäure entweichen, ohne Keime hineinzulassen.
  6. Warten. Stelle den Ansatz an einen ruhigen Ort bei 18 bis 22 Grad. Nach ein bis drei Tagen beginnt es im Röhrchen zu blubbern. Die Hauptgärung dauert etwa 4 bis 6 Wochen - sie ist vorbei, wenn das Blubbern aufhört und der Met sich klärt.
  7. Umfüllen. Ziehe den jungen Met mit dem Schlauch vorsichtig in ein sauberes Gefäß ab, ohne den Hefesatz am Boden mitzunehmen. Wer mag, lässt ihn dort noch 2 bis 4 Wochen nachreifen.
  8. Abfüllen und reifen lassen. Fülle den Met in saubere Flaschen. Jetzt ist er trinkbar - aber nach 3 bis 6 Monaten Lagerung im Kühlen schmeckt er deutlich runder. Geduld ist die geheime Hauptzutat.

Tipps & Variationen

  • Süß oder trocken? Vergärt die Hefe allen Zucker, wird der Met trocken. Für einen süßen Met rührst du nach dem ersten Umfüllen einfach noch 100 bis 200 g Honig ein.
  • Beeren-Met: Eine Handvoll dunkle Beeren (Holunder, Brombeere, Schlehe) im letzten Gärdrittel dazugeben - das gab es schon in der Wikingerzeit, wie Rückstandsfunde zeigen.
  • Gewürz-Met: Eine Zimtstange, zwei Nelken oder ein Stück Ingwer machen aus dem Grundrezept einen winterlichen Festtagstrunk.
  • Warm servieren: In Skandinavien wird Met im Winter gern erhitzt (nicht gekocht!) getrunken - quasi der Glühwein des Nordens.
  • Stilecht trinken: Zimmertemperatur oder leicht gekühlt, aus Tonbecher oder Methorn. Und wie beim Gastmahl in der Halle gilt: Der erste Schluck gehört dem Gastgeber, der Rest der Runde.
  • Der Ansatz gärt nicht? Meist ist es zu kalt oder die Hefe war zu alt. Stelle den Behälter ein paar Grad wärmer und gib notfalls ein frisches Päckchen Hefe dazu - der Ansatz ist dadurch nicht verloren.
  • Weiße Schicht auf der Oberfläche? Eine dünne, matte Haut ist meist harmlose Kahmhefe: einfach abschöpfen und den Met zügig umfüllen. Pelziger, bunter Schimmel dagegen bedeutet leider: weggießen und beim nächsten Mal noch gründlicher reinigen.

Trinken wie in der Halle

Das berühmte Methorn hat übrigens einen unterschätzten Vorteil: Man kann es nicht abstellen. Wer ein gefülltes Horn bekam, musste trinken oder weiterreichen - und genau darum ging es. Beim feierlichen Umtrunk, den die Sagas beschreiben, wanderte das Horn durch die ganze Halle, und mit jedem Umlauf wurde ein Trinkspruch ausgebracht: auf die Götter, auf gefallene Freunde, auf gegebene Schwüre. Wenn du deinen ersten selbstgemachten Met im Freundeskreis öffnest, probiere es einmal genauso. Ein Trinkspruch pro Runde, jeder kommt dran - du wirst überrascht sein, wie schnell aus einem Getränk ein Abend voller Geschichten wird.

Übrigens: Dieses Grundrezept ist nur eine Kostprobe. In unserem Kochbuch “Wikinger Festmahl - Das große Wikinger-Kochbuch” warten 141 Rezepte aus der Welt der Nordmänner auf dich - von Festtagsbraten über Eintöpfe bis zu weiteren Met-Varianten mit Beeren und Kräutern. Zum Kochbuch

MetBierWein
ZuckerquelleHonigGerstenmalzTrauben
Verfügbarkeit im Nordenteuer, FesttageAlltagsgetränkImport-Luxus
Alkoholgehalt (typisch)10-14 %2-5 %10-13 %
Gärdauer4-6 Wochen1-2 Wochen2-4 Wochen

Fun Fact: Das Wort “Flitterwochen” heißt im Englischen “honeymoon” - einer beliebten (wenn auch historisch nicht gesicherten) Erzählung nach, weil frisch Vermählte einen Monat lang Honigwein tranken, um die Fruchtbarkeit zu fördern. Ob Mythos oder nicht: Met und Hochzeiten gehörten im Norden nachweislich zusammen.

Ein Trank, der Geschichten macht

Wenn dein erster eigener Met nach ein paar Monaten im Glas funkelt, trinkst du ein Stück Kulturgeschichte: denselben Trank, der in Walhall aus Hörnern floss, den Odin für die Dichtkunst stahl und der in den Hallen der Jarle zu Ehren der nordischen Götter erhoben wurde. Skål - und denk daran: Die besten Geschichten schreibt man nach dem ersten Horn, nicht nach dem fünften.

Verkostung verschiedener Met-Sorten auf einem Holzbrett

Bildquelle: Ser Amantio di Nicolao (CC BY-SA 4.0), via Wikimedia Commons