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Erbsensuppe der Wikinger: Rezept für den Eintopf, der den Norden satt machte

Erbsensuppe Wikinger Rezept: gelbe Erbsen mit Rauchfleisch und Kräutern wie aus dem Langhaus-Kessel - historisch belegt, deftig, günstig und gelingsicher.

Deftige gelbe Erbsensuppe mit Roggenbrot-Croutons in rustikaler Schale
Inhalt
  1. Die Erbse: das unterschätzte Kraftpaket des Nordens
  2. Warum Erbsensuppe das perfekte Wikinger Rezept ist
  3. Von der Vorratsgrube zur Donnerstagssuppe
  4. Zutaten
  5. Zubereitung
  6. Tipps & Variationen
  7. Servieren wie in der Halle
  8. Ein Löffel Norden

Vom Drachenkopf am Bug erzählen die Sagas, vom Inhalt der Vorratsgrube erzählt kaum jemand. Dabei entschied genau der darüber, ob ein Hof den Winter überstand. Ganz oben im Ranking der Überlebensmittel: die getrocknete Erbse. Die Erbsensuppe der Wikinger war kein Festessen, sondern Alltag im besten Sinne - billig, nahrhaft, monatelang lagerfähig und in einem einzigen Kessel für die ganze Halle gekocht. Unser Rezept holt diesen Eintopf vom Langhaus-Feuer auf den heimischen Herd: gelbe Erbsen, Rauchfleisch, Wurzelgemüse und Kräuter, mehr braucht es nicht.

Die Erbse: das unterschätzte Kraftpaket des Nordens

Dass die Menschen der Wikingerzeit Erbsen anbauten, ist keine Vermutung, sondern Ausgrabungsbefund. In den feuchten Kulturschichten der Handelsstadt Haithabu an der Schlei haben Archäobotaniker neben Gerste, Hafer und Roggen auch Reste von Erbsen und Ackerbohnen identifiziert - Hülsenfrüchte gehörten fest zum Anbauplan der nordischen Höfe. Kein Wunder: Die Erbse wächst auch in kurzen, kühlen Sommern, verbessert nebenbei den Boden, und getrocknet hält sie sich über Jahre.

Für eine Welt ohne Kühlschrank war das Gold wert. Frisches Fleisch gab es vor allem rund um die Schlachtzeit im Herbst, Fisch je nach Fang und Küste. Die getrocknete Erbse dagegen wartete geduldig in der Vorratsgrube oder im Speicher, bis man sie brauchte. Dazu liefert sie reichlich Eiweiß - in einer Gesellschaft, in der Fleisch nicht jeden Tag im Topf landete, war sie so etwas wie das Arbeitstier unter den Lebensmitteln.

Auch die Dichtung kennt diese einfache Kost. Das Eddalied Rígsþula, das die Stände der nordischen Gesellschaft durchwandert, tischt beim einfachen Volk einen schweren, kleiehaltigen Brotlaib und eine Schale Brühe auf. Genau in diese Welt gehört unsere Suppe: Was im Kessel über der Glut köchelte, war selten ein Braten und sehr oft ein Brei oder Eintopf aus dem, was Speicher und Garten hergaben. Wie diese Alltagsküche insgesamt aussah, haben wir im Artikel über die Ernährung der Wikinger aufgeschrieben.

Warum Erbsensuppe das perfekte Wikinger Rezept ist

Man kann es nüchtern betrachten: Ein Gericht aus lagerfähigen Zutaten, das in einem Topf gelingt, stundenlang ohne Aufsicht köcheln darf und am nächsten Tag besser schmeckt als am ersten - genau so kocht man, wenn das Feuer in der Mitte des Hauses ohnehin nie ausgeht. Der Kessel aus genietetem Eisen oder gedrechseltem Speckstein hing an einer Kette über der Feuerstelle, und die Suppe wartete, bis alle von Feld, Fjord oder Werkstatt zurück waren.

Dazu kommt die Logik des Räucherfleischs. Um Fleisch haltbar zu machen, wurde es gepökelt, getrocknet oder in den Rauch unterm Dach gehängt. Ein Stück davon, mit Erbsen ausgekocht, würzt den ganzen Kessel - eine Technik, die sich bis heute in jeder guten Erbsensuppe gehalten hat. Unsere redaktionelle Einschätzung nach etlichen Testkochungen: Die Erbsensuppe ist das am meisten unterschätzte Gericht der nordischen Küche. Der berühmtere Kesseleintopf Skause bekommt die Bühne, aber die Erbse hat den Norden vermutlich öfter satt gemacht als jedes Stück Fleisch.

Von der Vorratsgrube zur Donnerstagssuppe

Kaum ein Gericht zeigt so schön, wie eine Esstradition Jahrhunderte überlebt. In Schweden und Finnland ist die gelbe Erbsensuppe bis heute eine Institution mit festem Wochentag: Donnerstags gibt es ärtsoppa beziehungsweise hernekeitto, klassisch mit Senf und Pfannkuchen als Nachtisch. Der Brauch wird meist auf das Mittelalter zurückgeführt, als man sich am Donnerstag für den fleischlosen Freitag noch einmal richtig sättigte.

ZeitStation der Erbsensuppe
Wikingerzeit (ca. 800-1050)Erbsen und Ackerbohnen als Anbau- und Vorratsfrüchte, belegt u. a. durch Pflanzenreste aus Haithabu
MittelalterDie Donnerstagssuppe etabliert sich im katholischen Skandinavien vor dem Freitagsfasten
1577König Erik XIV. von Schweden stirbt in Gefangenschaft - der Legende nach durch eine vergiftete Erbsensuppe
19./20. JahrhundertErbsensuppe wird fester Bestandteil der Verpflegung von Armeen im Norden
Heuteärtsoppa und hernekeitto stehen donnerstags in Kantinen, Kasernen und Familienküchen Schwedens und Finnlands

Die Sache mit dem vergifteten König: Erik XIV. starb 1577 als Gefangener auf Schloss Örbyhus, und die Überlieferung macht eine mit Arsen versetzte Erbsensuppe zur Mordwaffe. Als seine Überreste 1958 untersucht wurden, fanden sich tatsächlich Spuren von Arsen. Ob das Gift wirklich in der Suppe steckte, bleibt offen - aber keine andere Suppe Europas hat eine derartige Kriminalgeschichte im Lebenslauf.

Für die Wikingerzeit selbst gilt wie immer: Ein aufgeschriebenes Rezept gibt es nicht. Was wir kochen, ist eine begründete Rekonstruktion aus belegten Zutaten und belegter Technik - Erbsen, Rauchfleisch, Wurzelgemüse, Kräuter, ein Kessel, viel Zeit.

Zutaten

Für 4 bis 6 Portionen:

  • 500 g getrocknete gelbe Erbsen (ersatzweise grüne Schälerbsen)
  • 400 g geräucherter Schweinebauch oder durchwachsener Räucherspeck am Stück (alternativ eine kleine Eisbeinscheibe)
  • 2 Zwiebeln, grob gewürfelt
  • 1 Stange Lauch, in Ringen
  • 2 Möhren, in dicken Scheiben
  • 1 Pastinake oder ein Stück Steckrübe (ca. 200 g), gewürfelt
  • 2 Liter Wasser
  • 1 TL getrockneter Thymian oder Majoran
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer
  • 1 Bund frische Petersilie oder Dill
  • Zum Servieren: grober Senf und Fladenbrot

Zubereitung

  1. Erbsen einweichen. Die Erbsen in reichlich kaltem Wasser über Nacht (mindestens 8 Stunden) einweichen. Das verkürzt die Kochzeit und macht die Suppe bekömmlicher. Geschälte Erbsen kommen notfalls auch ohne Einweichen aus, brauchen dann aber länger.
  2. Ansetzen. Die abgegossenen Erbsen mit dem Rauchfleisch am Stück und 2 Litern frischem Wasser in einen großen, schweren Topf geben. Aufkochen, den grauen Schaum abschöpfen, dann die Hitze stark reduzieren.
  3. Köcheln lassen. Zugedeckt etwa 60 Minuten leise simmern lassen. Nicht salzen - das Rauchfleisch bringt schon ordentlich Würze mit, und Salz zu Beginn hält die Erbsen hart.
  4. Gemüse zugeben. Zwiebeln, Lauch, Möhren, Pastinake oder Steckrübe und den Thymian in den Topf geben. Weitere 30 bis 45 Minuten köcheln, bis die Erbsen zerfallen und die Suppe sämig wird.
  5. Fleisch zerteilen. Das Rauchfleisch herausheben, in mundgerechte Stücke schneiden oder zupfen und zurück in den Topf geben.
  6. Abschmecken. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Ist die Suppe zu dick, etwas Wasser zugeben; zu dünn, offen ein paar Minuten weiterköcheln lassen - sie bindet von allein.
  7. Servieren. Mit gehackter Petersilie oder Dill bestreuen und mit einem Klecks grobem Senf servieren. Dazu passt Fladenbrot nach Wikinger-Art direkt aus der Pfanne.

Tipps & Variationen

  • Über dem Feuer: Im gusseisernen Topf über Glut oder auf dem Grill bekommt die Suppe ein echtes Lagerfeuer-Aroma. Öfter umrühren, die Hitze am Rand ist tückisch.
  • Slow Cooker: Eingeweichte Erbsen, Fleisch und Gemüse zusammen auf niedriger Stufe 7 bis 8 Stunden garen. Das kommt dem geduldigen Kessel über der Glut am nächsten.
  • Ohne Fleisch: Das Rauchfleisch weglassen und mit kräftiger Gemüsebrühe kochen. Ein halber Teelöffel geräuchertes Paprikapulver ist zwar nicht historisch, ersetzt das Raucharoma aber verblüffend gut - ehrlich gekennzeichneter Stilbruch.
  • Der Senf-Trick: In Schweden rührt jeder seinen Senf erst am Tisch in die Suppe. Probier es aus - die leichte Schärfe hebt die süßliche Erbse spürbar an.
  • Auf Vorrat: Erbsensuppe lässt sich hervorragend einfrieren und schmeckt aufgewärmt noch runder. Beim Erwärmen einen Schluck Wasser zugeben, weil sie nachdickt.

Servieren wie in der Halle

Wer die Suppe stilecht auftragen will, deckt den Tisch wie im Langhaus: eine gedrechselte Holzschale oder ein tiefer Steingutteller pro Person, dazu ein Holzlöffel und ein ordentlicher Kanten Brot. Gegessen wurde in der Wikingerzeit aus Schalen aus Holz oder Speckstein, die Löffel schnitzte man aus Holz, Horn oder Knochen. Ein Krug dünnes Bier oder Met dazu, und die Kulisse steht. Praktisch gedacht: Im schweren Topf bleibt die Suppe auf dem Tisch deutlich länger heiß als in flachen Tellern, also ruhig den ganzen Kessel in die Mitte stellen und jeden selbst schöpfen lassen. So wird aus dem einfachen Eintopf ein kleines Gemeinschaftsessen, und genau das war er im Norden auch: Alle löffelten aus demselben Kessel, vom Knecht bis zum Hausherrn.

Wenn dir diese Art zu kochen liegt, wirst du in unserem Kochbuch “Wikinger Festmahl - Das große Wikinger-Kochbuch” fündig: 141 Rezepte aus der nordischen Küche, von Kesselgerichten über Brot bis Met. Zum Kochbuch

Ein Löffel Norden

Es gibt Gerichte, die schmecken nach Geschichte, ohne dass man ein Reenactment-Lager braucht. Wenn die Erbsen im Topf zerfallen, das Rauchfleisch die Küche füllt und draußen das Wetter unfreundlich wird, ist man dem Alltag eines nordischen Hofes näher als in mancher Vitrine. Die Erbsensuppe der Wikinger ist kein Heldenessen aus der Saga - sie ist das, was die Helden satt gemacht hat, bevor sie eine wurden.

Bildquelle: Ата (CC0), via Wikimedia Commons